Armin Thalhofer

Bolivien und Peru…in einer anderen Welt

 (English text below)

Was haben wir im Vorfeld nicht alles gehört über Bolivien. Menschen die nie lachen, nicht mit einem sprechen oder gar unfreundlich und ablehnend sein sollen. Ich war von Beginn an skeptisch ob dieser Aussagen, lehrte mich doch Afrika in Bezug auf „Tipps und Warnungen“ eines besseren.

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Bolivianer lächeln doch!

In der Tat war Bolivien ganz anders als die eher südeuropäisch anmutenden Länder die wir bisher besucht hatten. Die Hautfarbe der Menschen war auf einmal deutlich dunkler, die meisten Frauen trugen traditionelle, farbenfrohe Kleidung und das Land war sichtbar ärmer. Es gab nach dem Grenzwechsel keine großen Supermärkte mehr, die Tankstellen waren in einem deutlich schlechteren Zustand und der Sprit hatte nicht mehr die bisherige Qualität. Trotz des Schlechtsprit-Setups klingelten die Ventile meines Boxers beim Beschleunigen meist deutlich hörbar. Auch die Straßen waren oftmals wieder schlechter, die Hauptstraßen nicht selten mit vielen Schlaglöchern versehen und die Nebenstraßen, auch in Ortschaften, so gut  wie nie asphaltiert. All das erinnerte mich zum ersten Mal wieder an Afrika. Die Menschen sind hier sichtbar ärmer, liegt das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in Bolivien 2018 bei nur gut 500,- Euro im Monat und beträgt somit weniger als die Hälfte als in Chile.

Dazu kam die für uns unglaubliche Höhe, auf der wir uns nun bewegten. Die letzte Nacht in Argentinien auf rund 2.900 m sollte die letzte unter 3.500 m Meter für die nächste Zeit  gewesen sein.

Vom Salar de Uyuni, dessen Besuch zu den absoluten Highlights meiner/unserer bisherigen Reise zählt, machten wir uns auf der Hochebene des Altiplano auf in Richtung La Paz, des höchsten Regierungssitzes der Welt.

Sonnenuntergang auf dem Salar

Der Altiplano ist ein ausgedehntes Hochplateau in den Zentralanden, das durchgängig über 3.000 Meter ü.n.N liegt (im Mittel bei 3.600 m) und sich über 1.800 km entlang des Rückgrats des Gebirges von Süd-Peru über West-Bolivien bis nach Nord-Argentinien und Nord-Chile erstreckt und zwischen 350 und 400 km breit ist. Ein faszinierender Flecken Erde. Die Dimension, die Weite die man hier erlebt ist für uns Mitteleuropäer unfassbar. Die gesamte Fläche beträgt ca. 170.000 Quadratkilometer und ist damit mehr als doppelt so groß wie Österreich.

Altiplano (Quelle Wikipedia)

La Paz liegt eingeschlossen von Bergflanken auf einer offiziellen Höhe von 3.640 m, Teile der Stadt erstrecken sich aber auf mehr als 4.000 m. Aufgefallen ist uns bereits auf dem Altiplano, dass hier fast alle massiven Häuser aus rotem Ziegel gebaut, jedoch nicht verputzt sind. So erstrahlte die Stadt im Nachmittagslicht faszinierend rot mit unzähligen bunten Dächern.

La Paz

Der Verkehr wird bestimmt durch die unzähligen 9-sitzigen, meist deutlich überfüllten Minitaxis, i.d.R. Toyotas oder chinesischer Bauart, die gefühlt 95% aller Fahrzeuge ausmachen. „Normale“ PKW gibt es hier wenig und wenn wir unter Verkehr verstehen, dass sich was bewegt, ist das auf den Straßen der Stadt  wohl nicht der passende Begriff. Für die letzten 20 km bis zu unserer Unterkunft in der Stadtmitte benötigten wir mehr als zwei Stunden…Motor an, 5 bis max 10 Meter vorwärts (nicht selten durch einen der unzähligen Märkte), Motor aus für die nächsten 5-10 Minuten…continue repeat.

Dafür sind die Märkte faszinierend. Hier wird alles nur Erdenkliche angeboten…von Nahrungsmitteln über Kleidung bis zu Autoersatzteilen findet sich hier alles.

auf einem der vielen Märkte in La Paz

Und eine Besonderheit gibt es in La Paz. Große Teile der Stadt sind mit einem Seilbahn-Gondelsystem verbunden, wie wir das aus unseren Skigebieten kennen. Und ja, die Stützen sind von Doppelmayr (Österreich), die Kabinen von CWA aus der Schweiz. Man kann damit die 2,3 Millionen Einwohner zählende Stadt für kleines Geld quasi umrunden und es bieten sich faszinierende Ausblicke auf die Stadt. Ein günstiges Verkehrskonzept, das sicher auch mancher Großstadt bei uns gut stehen würde.

effektive Gondelbahnen rund um den Kern von La Paz
die wenigen verputzen Häuser sind meist farbenfroh gestrichen

Ein paar Tage später machten wir uns auf den Weg Richtung der ersten Amazonas-Ausläufer im Nordosten Boliviens um dort von Rurrenabaque aus eine Bootstour in die sogenannte Pampas, ein Überschwemmungsgebiet zu unternehmen. Viele Tiere sollten uns dort auf diesem dreitägigen Trip erwarten. Die nur rund 400 km bis nach Rurrenabaque waren an  einem Tag nicht zu schaffen, da weite Teile der Straße nicht asphaltiert und während der Regenzeit nicht immer einfach zu bewältigen sind. An einer Stelle mussten wir mehr als eine Stunde warten, da dort der Weg von einem Erdrutsch verschüttet war und gerade erst freigeräumt wurde.

Erdrutsche mit verschütteten Straßen sind in der Regenzeit keine Ausnahme

Doch es lohnte sich. Zwei Stunden dauerte die die anschließende Fahrt in einem kleinen Boot mitten in die Pampas und wir sahen in den Tagen unzählige bunte Vögel, diverse Affen wie auch bis zu  fünf Meter lange Kaimane aus nächster Nähe, fischten selbst Piranhas, die am Abend auf dem Grill landeten, mussten aber auch (nun wieder auf nur 200 ü.n.N) unglaubliche Schwüle und Millionen von Moskitos ertragen.

Tukan
was guckst du?
Kaimane werden bis über fünf Meter lang
Piranhas kaum geangelt, schon auf dem Teller

Auf dem Rückweg nach La Paz nahmen wir die berüchtigte Death Road unter die Räder. Früher war der teils nur wenige Meter breite Schotterweg die einzige Verbindung nach Nordosten mit teils bis zu mehreren hundert Metern steilen Abhängen. Dementsprechend viel ist hier wohl passiert. Die größte Gefahr stellen heute die unzähligen Mountainbike Downhiller dar, die von Vormittags bis in den späten Nachmittag hinein runterbrettern. Wir entschlossen uns daher erst gegen Abend die rund 60 km auf wieder mehr als 4.000 m hoch zu fahren und waren daher fast alleine unterwegs. So gefährlich ist uns die Strecke nicht vorgekommen, waren wir mittlerweile auf spektakuläreren Pisten unterwegs. Der Mythos ist  weit größer als die Gefahr die wir empfunden haben. Es ist auch nicht ganz klar, ob der Name von den vielen Unfällen her rührt. Es gibt auch noch eine Version, die besagt, dass man dort früher viele Menschen auf Nimmerwiedersehen in den Tiefen der Abhänge hat verschwinden lassen…wer weiß?

Death Road
…mit teils mehrere hundert Meter tiefen, fast senkrechten Abhängen ohne jegliche Sicherung

Die größere Herausforderung stellte sich für uns tags darauf, als wir La Paz im Norden über eine verschneite und äußerst matschige, teils mit großen, tiefen Wasserlöchern versehenen Piste auf bis zu 4.900 m Höhe umfahren haben.

Schnee auf rund 4.900 m nördlich La Paz
Matsch und tiefe Wasserlöcher stellen oftmals eine besondere Herausforderung dar

Immer noch auf dem Altiplano und entlang des  Titicacasees, des mit 8.288 Quadratkilometer größten Süßwassersees Südamerikas, der etwa 15,5 mal größer ist als der Bodensee, haben wir Bolivien verlassen und sind nach Peru eingereist. Wir haben das mystische Machu Picchu besucht, haben im Süden zwischen Ollantaytambo und Nazca auf mehr als 600 km mit Kurve an Kurve auf beinahe perfektem Asphalt sowie nordöstlich von Lima entlang des Canyon del Pato die faszinierendsten Motorradstrecken hinter uns gebracht. Mit Arequipa und Cusco haben wir wunderschöne Städte mit historischen Altstadtkernen, sowie die Oase Hucachina mit ihren gewaltigen Sanddünen besucht.

Fischerin auf dem Titicacasee
Markt in Puno, Peru
Machu Pichu
Jahrhunderte alte Linien bei Nazca
Oase Hucachina mit gewaltigen Sanddünen
Sand soweit das Auge reicht…und Adiletten immer dabei

Nur campen waren wir deutlich weniger als bisher. Dadurch, dass wir uns mitten in der Regenzeit mit teils heftigsten Regenfällen befinden, war uns ein festes Dach über dem Kopf oftmals lieber. 

Bolivien war spannender als erwartet, die Menschen die wir getroffen haben, lächelten durchaus und waren alle freundlich und hilfsbereit. Von Peru dagegen werden wir wohl ein gespaltenes Bild behalten. Zum einen faszinierte uns das Land mit Machu Picchu, den teils wunderschönen Strecken die wir gefahren sind, mit super tollen Stränden im Norden, sowie ebenfalls freundlichen und hilfsbereiten Menschen. Jedoch habe ich noch nie im Leben ein Land gesehen, das so vermüllt war wie dieses. Bisher meinte ich immer, Jordanien kann in Sachen Verschmutzung meine Erfahrungen nicht mehr toppen, Peru hat das leider geschafft. Wir haben oftmals Menschen gesehen, die vom fahrenden Auto, vom Moped aus ihre Mülltüten in die Landschaft geworfen haben, die Ränder fast aller Städte und Dörfer (vor allem je nördlicher wir kamen) sehen aus wie Müllkippen und es stank teils bestialisch. Die hygienischen Verhältnisse ließen sowohl in Bolivien und vor allem in Peru sehr zu wünschen übrig und nie hatte ich bisher mehr Probleme mit meinem Verdauungstrakt wie hier. Unsere neugierige Begeisterung für Local Food mussten wir über die letzten Wochen mit teils zahlreichen Toilettengängen ein wenig büßen.

typische Straßenküche in Bolivien
Alpaka vom Grill ist eine Spezialität in Peru

Mittlerweile bin ich seit 333 Tagen unterwegs, davon fast 5 Monate gemeinsam mit Marco und wir haben rund 24.000 km zusammen zurückgelegt. Wir befinden uns nun im Süden Ecuadors um noch für eine Woche die Galapagosinseln zu besuchen, bevor unsere gemeinsame Reise dann schon wieder endet…aber dazu später mehr…

What have we heard about Bolivia beforehand. People who would never laugh, not talk to you or even be unfriendly and hostile.

From the beginning I was sceptical about these statements, as Africa taught me better in terms of “tips and warnings”.

In fact, Bolivia was quite different from the more southern European countries we had visited before. The skin colour of the people was suddenly much darker, most women wore traditional, colourful clothes and the country was visibly poorer. After the border crossing there were no more big supermarkets, the gas stations were in a much worse condition and the fuel was not of the same quality as before. Despite the bad fuel setup, my Boxer valves usually rang clearly audible when accelerating. Also the roads were often worse again, the main roads often had a lot of potholes and the side roads, even in villages, were almost never paved. All this for the first time reminded me of Africa again. The people here are visibly poorer, the average per capita income in Bolivia in 2018 is only a good 500 euros a month, less than half of the chilean average.

On top of that, there was the unbelievable height at which we were now moving. The last night in Argentina at about 2.900 m should have been the last under 3.500 m for the next days.

From the Salar de Uyuni, whose visit is one of the absolute highlights of my/our journey so far, we set off on the plateau of the Altiplano towards La Paz, the highest seat of government in the world.

The Altiplano is an extensive plateau in the central Andes, which is continuously above 3.000 metres above sea level (average at 3.600 m) and extends over 1.800 km along the backbone of the mountain range from southern Peru via western Bolivia up to northern Argentina and northern Chile and is between 350 and 400 km wide. A fascinating spot on earth. The dimension, the vastness you experience here is unbelievable for us Central Europeans. The total area is about 170,000 square kilometres and is more than twice the size of Austria.

La Paz is surrounded by mountains at an official height of 3.640 m, but parts of the city extend to more than 4.000 m. We already noticed on the Altiplano that almost all bigger houses here are built of red brick but are not plastered. Thus, the city shines in the afternoon light in a fascinating red colour with countless colourful roofs.

The traffic is determined by the countless mini taxis, mostly Toyota or Chinese design, which are felt to make up 95% of all vehicles. There are not many “normal” cars here and if we understand by traffic that something is moving, this is probably not the right term for the streets of this city. For the last 20 km to our accommodation in the city center we needed more than two hours…engine on, 5 to max 10 meters forward (not seldom through one of the countless markets), engine off for the next 5-10 minutes…continue repeat.

But the markets are fascinating. Here you can find everything you can think of…from food to clothes to spare parts for cars.

And there is a speciality in La Paz. Large parts of the city are connected with a cable car gondola system, as we know it from our ski resorts. And yes, the lift masts are made by Doppelmayr (Austria), the cabins by CWA from Switzerland. They enable you to virtually circle the city of 2.3 million inhabitants for little money and offer fascinating views of the city. A favorable traffic concept which would certainly suit some large city at home.

A few days later we set off towards the first Amazon foothills in the north-east of Bolivia to make a boat trip from Rurrenabaque into the so-called Pampas, a flood area. Many animals should expect us there on this three-day trip. We saw countless colorful birds, various monkeys as well as up to five meter long caimans at close range and also had to endure (now again at only 200 masl) incredible humidity and millions of mosquitoes.

The 400 km to Rurrenabaque could not be done in one day, because large parts of the road are not asphalted and during the rainy season not always easy to manage. At one place we had to wait for more than an hour, because the road there had been buried by a landslide and was just getting cleared.

On the way back to La Paz we took the infamous Death Road. In former times, the partly only a few metres wide gravel road was the only connection to the north east with partly up to several hundred metres of steep slopes. According to this, a lot probably happened here in former times. The biggest danger today are the countless mountain bike downhillers, who ride down from morning until late afternoon. Therefore we decided to ride the 60 km up to more than 4.000 m in the evening and were almost alone. The route didn’t seem that dangerous to us, we were meanwhile on more spectacular slopes. The myth is much bigger than the danger we felt. It is also not quite clear whether the name comes from the many accidents. There is also a version that says that in the past  it was a good place to get rid of unliked people in the depths of the slopes, never to be seen again…who knows?

The bigger challenge for us was the day after, when we circumnavigated La Paz on a snowy and extremely muddy piste at a height of up to 4.900 m that was partly covered in big and deep puddles.

Still on the Altiplano and along Lake Titicaca, the largest freshwater lake in South America with 8,288 square kilometres, which is about 15.5 times larger than Lake Constance, we left Bolivia and entered Peru. We visited the mystic Machu Picchu, we travelled more than 600 km in the south between Ollantaytambo and Nazca with curve after curve on almost perfect asphalt as well as northeast of Lima along the Canyon del Pato, the most fascinating motorcycle routes. With Arequipa and Cusco we visited beautiful cities with historical old town centres, as well as the oasis Hucachina with its enormous sand dunes.

We did not camp as much as before. Because we are in the middle of the rainy season with partly heavy rainfalls, we often preferred a solid roof over our heads. 

Bolivia was more exciting than expected, the people we met smiled and were all friendly and helpful. From Peru, however, we will probably keep a split picture. On the one hand the country fascinated us with Machu Picchu, the partly wonderful routes we drove, with super great beaches in the north, as well as likewise friendly and helpful people. However, I have never seen a country that was as littered as this one. Up to now I always thought that Jordan can not be topped in means of pollution, Peru unfortunately did. We have often seen people who threw their garbage bags into the landscape from a moving car or a moped. The edges of almost all towns and villages (especially the further north we came) looked like garbage dumps and it sometimes smelled horribly. The hygienic conditions left a lot to be desired in Bolivia and especially in Peru and never before I had more problems with my digestive tract as here. Our curious enthusiasm for local food we had to pay over the last weeks with partly numerous toilet courses a little bit.

Meanwhile I have been on the road for 333 days, almost 5 months of which I spent together with Marco and we have covered about 24,000 km together. We are now in the south of Ecuador to visit the Galapagos Islands for another week before our joint journey ends again…but more about that later…

Copyright © Armin Thalhofer

6 Kommentare

  1. Guten Morgen aus München,

    Mensch, was ihr alles erlebt und seht. Die Fotos sind wieder beeindruckend! Passt weiterhin auf euch auf und lasst uns wieder an euren Eindrücken teilhaben. Ich freu mich schon auf die Fortsetzung. Vg Herbert

  2. Danke für deinen Bericht.
    Danke das wir teilhaben dürfen.
    Danke das es euch gut geht.
    Weiterhin eine gute und interessante Reise.
    Grüße an dich und Marco.
    Liebe Grüße Sandra
    P.S. schon fast ein Jahr OMG

  3. Good morning from Israel, Armin.

    I stay here all the time waiting for your reports. I know most of the region that you are visiting now, and yes, it is all true.

    You are approaching 1 year from the date of departure. Congrats! Hope the continuation of your trip continues to be as enjoyable as it has been up to now, and even more.

  4. Hallo Armin, hallo Marco,

    great report, many thanks.
    Marco, if you get the travel bug again, come down to Malawi, our F800GS ADV is waiting for a ride together.

    Regards,

    Axel and Virginia

  5. Servus aus KRUMBACH,
    Danke für den, wie immer tollen Bericht und mit den Erfahrungen. Toll
    Danke, Gruß an Marco, den sehen wir ja bald schon wieder
    Gruss Charlie

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