Armin Thalhofer

…und schon eine Woche weg.

Eine Gerade ist in der Geometrie die kürzeste Verbindung zweier Punkte…für Motorradfahrer das notwendige Übel zwischen zwei Kurven. Je kürzer desto besser. Auf meinem Weg in den Süden Italiens, den ich die letzten Tage quasi auf dem Rücken des Apennin zurücklegte, war diese Verbindung meist kurz bis sehr kurz, oftmals gar nicht existent. Auf kleinen, engen Straßen und Pässen entlang der Gebirgskette, die sich auf rund 1.500 km, überwiegend in Nordwest-Südost-Richtung zieht, stellte sich bei mir ein nicht unbekanntes Dauergrinsen ein. Kurve an Kurve zog meine, aktuell deutlich übergewichtige Dicke, leichtfüßig ihre Radien durch die beeindruckenden Landschaften, meist ohne auf weiteren Verkehr zu treffen. Lediglich beim Bremsen, vor allem bergab, wurde mir hin und wieder das Gewicht bewusst das ich hier bewege. Total überrascht hat mich jedoch der für mich ungewohnte, grobstollige  Heidenau K60 Scout, den ich als Erstausstattung für meine Reise gewählt hatte. Durch die Tatsache, dass ich bisher keinerlei Erfahrung mit so einem Reifen hatte, bin ich begeistert, wie dieser sowohl mit Grip wie auch mit Stabilität überzeugt. Kein schwammiges Fahrgefühl, keine Instabilität, weder in Schräglage noch beim Bremsen und das trotz des hohen Gesamtgewichts meines Mopeds.

Aber wo die Sonne lacht, da ist auch Schatten. Als ich auf dem Weg zu meinem kleinen Hotel in der Nähe von L’Aquilla war, führte mich dieser durch ein kleines Dorf, in dem mir erst beim Durchfahren nach und nach bewusst wurde, dass sich hier eine Tragödie ganz besonderen Ausmaßes abgespielt haben muss. Das Dorf Pescara Del Tronto war komplett zerstört. Zuerst wusste ich nicht was hier passiert war, stellte meine Dicke ab und schaute mich um, machte Bilder und dachte an einen Erdrutsch oder eine Lawine. Es war absolut gespenstisch. Erst auf dem weiteren Weg nach Tornimparte sah ich einen Wegweiser nach Amatrice…dem Ort, der durch das furchtbare Erdbeben am 24.08.2016 traurige Bekanntheit erlangte. Der kleinere Ort Pescara Del Tronte , keine 20 Kilometer von Amatrice entfernt, wurde nahezu vollständig zerstört. Insgesamt waren hier von weniger als 150 Einwohnern 49 Todesopfer zu beklagen. Kaum vorstellbar, welch unsagbares Leid hier zu gegen gewesen sein muss. Am Spielplatz in der Ortsmitte hängen heute noch T-Shirts mit Gesichtern und Namen einiger Opfer. Bilder, die mich auch gestern nicht losgelassen haben, als ich L’Aquilla einen kurzen Besuch abstattete, das vor genau 10 Jahren eines der schlimmsten Erdbeben der Geschichte erleben musste. Im Gegensatz zu Pescara del Tronto, das aufgebeben scheint, bilden Kräne noch zehn Jahre nach dem Beben die Skyline von L’Aquila. Die gesamte Altstadt ist heute noch eine Baustelle, die Menschen reagieren sehr zurückhaltend auf Anfragen für Fotos. Nur schwer fassbar für mich, da ich Bilder von solchen Naturkatastrophen bisher nur aus den Medien kannte.

Nun bin ich, eine Woche nach meiner Abreise, südlich von Salerno gelandet. Auf einem Campingplatz habe ich eine kleine Hütte gemietet und beim Frühstück Johannes aus Kiel kennengelernt. Johannes ist 24 und hat sich sechs Monate Auszeit vom Job genommen um mit dem Fahrrad von der Südspitze Siziliens bis ans Nordkap zu fahren…Respekt! Auf seinem Blog (johannes-durch-europa.blogspot.com) könnt ihr ihm folgen.

Von hier aus möchte ich die nächsten zwei/drei Tage in Ruhe die Amalfiküste erkunden, vielleicht auf den Vesuv gehen und im Hafen von Salerno meine weitere Reise auf einem Frachtschiff organisieren…doch dazu später mehr…

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5 Kommentare

  1. Hallo Armin ,

    Italien so schön …da will man doch gar nicht das Land verlassen und weiterfahren 😉

    Alles GUTE weiterhin und bleib gesund !

    Salva

    1. Servus Salva,
      grundsätzlich hast du recht, aber leider habe ich die letzten Tage ganz arg meinen warmen Pulli vermisst, den ich aus Platzgründen und der Aussicht auf warme Temperaturen zu Hause gelassen hab. Ich hatte seit Tagen nicht mehr als 15 Grad, dazu regnet es heute schon den ganzen Tag.
      Aber ich werde mich sicherlich noch nach den “angenehmen” Temperaturen hier in Süditalien zurücksehen.
      Ciao e salute
      Armin

  2. Hey Armin,

    Danke für den interessanten und nachdenklichen Beitrag. Ich nehme dein Dauergrinsen trotzdem auf und wünsche dir, dass es in deinem Gesicht ständig zu finden ist! Wir haben uns doch nimmer verabschieden können, deshalb sende ich dir liebe Grüße aus dem Rheingau!

    Deine Alex

    1. Hallo Alex,
      vielen Dank für Deine Nachricht, kann auch zeitnah antworten, da ich am Campingplatz sitze und aufgrund des schlechten Wetters einen Digital-Day eingelegt hab.
      Wir hatten uns übrigens schon verabschiedet, so haben wir es beim letzten längeren Telefonat festgelegt…alles gut!
      Freu mich immer auf Nachrichten von Dir.
      LG aus Süditalien

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